Frithjof Schwerdt ist Europameister

Racing for Rio

September 2013

Nach einjähriger Abstinenz in der Musto Skiff Klasse wollte Frithjof es noch mal bei der Europameisterschaft am Attersee wissen. Er konnte sich sein altes Boot leihen und fuhr diesmal mit einem ganz anderen Gefühl zu einem Wettkampf. Das Starterfeld war mit 46 Seglern aus sieben Nationen sehr gut besetzt. Der Weltmeister von 2011 und der amtierende Europameister waren ebenfalls vertreten. 

 

Ein Tag vor dem Start der EM stieg er zum ersten Mal wieder auf das Boot und segelte zwei Vorrennen mit. Platz vier und eins, Zuversichtlich startete Frithjof in die Wettfahrtserie.

 

Der erste Tag war geprägt von sehr inkonstanten westlichen Winden, die das Feld immer wieder durcheinander würfelten. Als erfahrener Lasersegler, der auf einem Berliner Binnensee groß geworden ist, kamen ihm die Windbedingungen sehr gelegen und er fuhr zwei Mal in die Top 10. Im dritten Rennen riss ihm dann das Trapez und er fand sich chancenlos im Mittelfeld wieder. Am Ende des Tages erreichte er den dreizehnten Platz im Gesamtklassement.

 

Bei einem leichten bis mäßigen thermischen Wind, auch besser bekannt als "Rosenwind", und Sonne pur, gelangen Frithjof, am dritten Tag der EM, wieder drei gute Rennen, darunter auch ein erster Platz. Doch leider war wieder ein Chaos - Rennen dabei. „Ich musste eine Strafdrehung am Start machen und dann noch mal eine auf dem ersten Vorwind und das Rennen war gelaufen." Von da an war ihm klar, dass er sich nun keine Fehler mehr erlauben konnte und unbedingt elf Rennen für einen zweiten Streicher brauchte. Trotz des Chaos - Rennens arbeitete er sich auf den achten Gesamtplatz vor. Die Wetterlage blieb konstant und die Wettfahrtleitung konnte die nächsten Tage wieder mit dem Rosenwind rechnen.

 

Am vierten Tag erlaubt er sich keine Fehler und konnte noch einen Wettfahrsieg erkämpfen. Damit rutschte er auf den vierten Platz im engen Gesamtklassement vor. Sechs Segler hatten noch die Chance auf den Sieg. Spannender konnte die Situation vor dem alles entscheidenden letzten Wettfahrttag nicht sein.

 

Am letzten Tag ließ der Rosenwind erst noch ein bisschen auf sich warten und erhöhte damit noch mal die Spannung enorm. Für den zweiten Streicher, den Frithjof dringend brauchte, musste mindestens noch ein weiteres Rennen gesegelt werden. Mit einer Stunde Verspätung kam der Wind dann etwas schwächer als die letzten Tage, doch er kam. Die Wettfahrtleitung schickte das Feld raus und startete die erlösende 11. Wettfahrt. Der siebte Platz reichte gerade so um die Führung zu übernehmen. Eine Wettfahrt stand noch aus und wer in dieser vor ist, ist auch insgesamt vor. „Ich platzte vor Spannung, doch mir war vollkommen klar was ich zu tun hatte, rechts starten und Anschlag rechts raus fahren. Ich stellte mich dementsprechend direkt ans Startschiff und verteidigte meine Position." Daniel Henderson, Weltmeister von 2011 und einer seiner härtesten Konkurrenten, trieb auf Frithjof drauf und berührte seinen Wing. Er musste kurz vor dem Start eine Strafdrehung absolvieren und war damit vorerst aus dem Rennen.

Der Plan ging auf, er musste nur ein Boot passieren lassen und fuhr einen zweiten Platz nach Hause. Damit hat es gereicht und Frithjof Schwerdt ist Europameister. „Mir schossen sofort die Freudentränen ins Gesicht und ich war überglücklich."

 

An Land wendete sich das Blatt schlagartig. Daniel Henderson, sein härtester Konkurrent aus England, protestierte gegen ihn, wegen unerlaubten Vortriebs in der Startsituation. „Das war die schlimmste Protestverhandlung meines Lebens." Die viert- und sechst - Platzierten waren als Zeugen geladen und sagten gegen ihn aus. Nach einer anderthalbstündigen Verhandlung stand das Ergebnis fest. Der Protest wurde abgelehnt und endlich war der Titel offiziell. „Ich kann es immer noch nicht fassen, aber ich habe es wirklich geschafft. Es ist der erste große Titel in meiner Segelkarriere. Ich habe immer davon geträumt so eine konstante Serie zu fahren und nun ist es vollbracht. Ich bin Europameister." Nun geht es auch darum, diese Leistung auf den 49er zu übertragen und das Projekt „Racing for Rio" weiter voran zu treiben.

 

Frithjof Schwerdt ist zusammen mit seinem Vorschotmann Sebastian Wiedemann vor gut einem Jahr in die Olympische High Performance Bootsklasse 49er umgestiegen. Aller Anfang war schwer, doch durch hartes und konzentriertes Training konnten sich die beiden stetig steigern und sind nun bereit in der nächsten Saison richtig Gas zu geben. „Der Erfolg von Frithjof war enorm wichtig für uns als Team! Das pusht uns und gibt Selbstvertrauen für unsere bevorstehenden Aufgaben!", sagt Sebastian Wiedemann.

 

Weitere Informationen unter www.schwerdt-wiedemann.de